Autor: ginodola

Kapitel #2

Kapitel #2

Für ein Ungetüm war er recht schön anzusehen, dennoch war er angsteinflößend. Aus seinen Nasenlöchern stieg Nebel empor, seine dreigeteilten Flügel hingen wie zerrissenes Papier, an seinem mit Eiskristallen besetzen Brustkorb herab. Kleine, grün leuchtende Blitze zuckten durch sie hindurch. Eine Klaue stach aus der Mitte hervor, drei weitere hingen an den spitz zulaufenden Enden der Flügel. Der lange, dunkelgrüne Schwanz war bis zur Hälfte mit vier federartigen Schwingen bedeckt, wie ein Schleppe. An dessen Ende gefrorenes Eis hing. Über seinen Augen ragen geschwungen, verdrehte Hörner aus Eis hervor. Mikasa senkte seinen langen Hals, auf dessen Oberseite vier Zacken aus blauem Diamant wuchsen, schwerfällig zu Ewan hinunter. So verharrte er einen Drachenherzschlag lang vor seinem bleichen Gesicht. Er stieß ihm große Eiswolke entgegen, die schnaubend aus aus seinen Nasenlöchern schoss. Ewan wusste, dass es jener Drache war, der ihm vor fünf Tagen schon begegnet war.

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Auszug – Kapitel 2 // Seite 36 // © 2018 Gino Dola

Kapitel #1

Kapitel #1

Ein langer Korridor, am Ende eine Wendeltreppe, die endlos nach oben ins schwarze Nichts führte. Die vertäfelten Wände fühlten sich kalt an, als wären sie feucht, doch es roch nach frischem Holz. An jedem zweiten Holzpaneel hing ein Gemälde, die Farben verlaufen, die Formen unscharf. Die Zwischenräume zweier Gemälde, wurden von je einem Fenster geprägt, dessen verstaubtes Bleiglas nur wenig Licht durchdringen ließ. Etwas war seltsam, doch jetzt in diesem Moment, fühlte es sich richtig an. Umgeben von weißem Marmor und feinstem Ebenholz, das fast zierlich wirkte in diesem Zylinder, in dem sonst alles riesig war. Zudem war alles hier rund, kreisrund. Eine Träne verlief sich zu einem winzigen Rinnsal, der die seidenmatte Wange von Lissy herunter lief. Der erkaltete Tropfen hatte ihr Kinn erreicht und weckte sie unsanft aus dem Schlaf. Sie wusste, dass es wieder dieser eine Traum war.

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Auszug – Kapitel 1 // Seite 1 // © 2018 Gino Dola

Symphonie

Symphonie

Die Nacht zaubert ein Lichtermeer
An den sonst so finsteren Himmel
Erst das Licht, dann folgt der Ton
Farben malen Gefühle in mir aus
Kleine Tränen wollen mir entweichen
Doch der eisige Wind friert sie fest
Blaugrünes Licht schimmert in ihnen
Ein Flammenmeer brennt alles nieder
Glänzende Funken regnen herab
Ohrennetäubender Lärm hallt durch die Zeit
Die ich für Minuten gebannt anhalte
Alles um mich herum vergesse
Und in die Galaxie über meinem Kopf eintauche
Wieder ein Bild, wieder eine Farbe
Rotblauer Regen fällt den Himmel hinauf
Ich sehen kleine Funkenkugeln
Sie schnelle an den Farben vorbei
Ein monotoner Knall, ein rauschen
Das Himmelszelt es leuchtet, funkelt
In einer Symphonie aus Rauch
Das bunte Farbenspiel soll nie enden
Meine Gedanken überschlagen sich
Die Töne werden lauter, weiß
Eine neue Galaxie, rot
Der Takt verdoppelt sich, grün
Sterne fallen vom Himmel, blau
Was bleibt ist Dunkelheit
Und die Erinnerung
An eine Symphonie

Foto von Corinna P.

Kein Internet

Kein Internet

Am seidenen Faden
Hängt alles was wir sind
Gesponnen und gedreht
Unzählige Male, tief vergraben
Unter unseren Füßen
Fließt das Leben
Buchstaben und Bilder
Bewegen sich mit Licht
Geschwindigkeit, unvorstellbar
Doch dann herrscht Stille
Das Leben knallt unaufhörlich
Gegen das Ende jenen Fadens
Durchtrennt, zerbrochen
Unruhe macht sich breit
Aus, an, aus, an
Nichts, hilflose Blicke
Grüne Lichter flackern
Jetzt nur noch rot
Ein letzter Griff in Richtung Hoffnung
Raus, rein, aus, an
Nichts, alles bleibt schwarz
Offline

– Einer nervig werdenden Störung meines Providers gewidmet –

Ich bin

Ich bin

Ich bin das Buch
So voller Leben
Der Wind blättert meine Seiten um
Zieht hastig durch meine Kapitel
Ich bin das Treibholz
Das das Leben weiter treibt
Den Fluss hinauf
Ich bin das Ufer
An dem mein Leben strandet
Und langsam in mir versickert
Ich bin der Sand
Auf dem alles Leben lebt
Und langsam versiegt
Ich bin der Tropfen Wasser
Der zu Boden fällt
Vom Wind getragen
Durch die Lüfte gewirbelt
Bis ich letztendlich aufschlage
Ich bin jeder Tropfen
In den ein Regentropfen zerspringt
Ich bin alle Farben
Gelb, rot, lila, blau, Regenbogen
Ich bin der Winter
Lege mich sanft auf den Herbst
Ich bin das monotone grau in weiß
Das alles Bunt bedeckt
Bin der Schnee, das Glück
Ich bin die vierte Jahreszeit

Nimm mich mit

Nimm mich mit

Mein Blick schweift ab, endlich
Drückt sich immer tiefer in meinen Kopf
Zeichnet sich unscharf in mir ab
Nimm es, nimm mich mit, bitte
Schreie ich in mich hinein
Wie tief bist du, wie weit reicht deine Kraft
Heute bist du sandfarbend
Schon bald bist du gänzlich fort
Doch jetzt, jetzt kommst du wieder
Ich lausche dir, wie eine Symphonie
Kringeln sich deine Wellen in mein Ohr
Auf manchen Tönen weißer Schaum
Beruhigend deine Unruhe, du tobst
Nimm mich mit, zeig mir die Welt
Barfuss gebe ich mich dir hin
Ich spüre dich, die kälte deiner Wut
Unter mir dein Sand, klebrig fein
Bohrt sich durch meine Haut
Wind peitscht auf meine nackte Haut
Nimm mich endlich mit
Hörst du mich, ich schreie es hinaus
Doch niemand hört es, nichtmal du
Bist längst weit fort, wie ist es dort?
Ich werde warten, sechs Stunden
Bis du wiederkehrst
Deine tosenden Wellen mich packen
Und…

Nachts

Nachts

Schwarz, helles schwarz
Dunkles Schwarz, dazwischen
Flecken, kantiges Weiß
Unwirkliche Formen der Wirklichkeit
Ein Rauschen umgibt mich
Ich lebe und bin wach
Das ungleichmäßige Atmen
Ein und aus, schwarz und weiß
Des Menschen den ich liebe
Ja jene Geräusche, ein und aus
Treffen tief auf mein linkes Ohr
Vermischt sich mit dem Rauschen
Ich starre den wirren Flecken nach
Kenne den Raum in dem ich liege
Erkenne ihn aber nicht
Die Formen verzerrt, die Farben
von weiß bis schwarz
In meinem Kopf hallt ein Konzert
Der Tag zieht vorbei, tonlos
Mehr Stille dringt in mich ein
Mein Körper windet sich
Doch findet keinen Schlaf
Denk doch bitte nicht mehr nach
Winter, eine Straße, Herbst, Töne
Blut, im Schnee, von Laub bedeckt
Meine Augen zittern, mein Puls rast
Ich bin hellwach, ein dunkler Traum
Wie lange war ich fort
Nur Sekunden, keine Ewigkeit
Schwarzes Rauschen, weiße Formen
Noch immer dröhnt die Luft
Welche sich sanft in mein Ohr verwirbelt
Die Decke starrt mich an
Leere, nur ein schwarzes Viereck
Durch das Fenster dringt ein Licht
Verzerrt die mir vertrauten Dinge
Und wirft sie an die Wand
Ich atme ein und aus
Absichtlich taktlos, Dur und Moll
Ich schlafe ein und aus
Gedanken stürzen sich hinab
Fallen tiefer ins Dunkel
Ergibt das alles einen Sinn?
Ich wirre die Gedanken
Fädel sie ein und stecke sie auf
Suche den Sinn, sehe die Formen
Schwarz
Ich schlafe
Grau

Blaue Welt

Blaue Welt

Du bist die blaue Kugel
Die sich unaufhörlich dreht
Mit der Zeit im Takt
Bist unser aller Held
Danke blaue Welt

Wir nehmen dich aus
Fügen dir tiefe Wunden zu
Berauben dich deiner Schätze
Geben dir so wenig zurück
Wofür das alles, für Geld
Danke blaue Welt

Du bist einzigartig, für mich
Auch wenn man sagt
Es gäbe mehr solcher Kugeln
Im nicht vorstellbaren Raum
Weit hinter deinem Horizont
Hoch oben am Himmelszelt
Danke blaue Welt

Du schenkst mir eine Heimat
Einen Kontinent und einen Ozean
Gar einen ganzen Planeten
Ich würde gern alles von dir sehen
Doch du bist so groß und weit
Zu zweit mit deinem Mond
Der uns die deine Nacht erhellt
Danke blaue Welt

Auf dir gibt es Wunder, kleine und große
Doch du bist das größte Wunder
Deine Ozeane tief wie das Blau
Lebewesen, unzählige, unvorstellbar
Wir jagen sie, töten sie, Stille
Die Menschlichkeit verfällt
Entschuldige blaue Welt

Wir werden uns bessern
Deine blauen Ozeane schützen
Dich nicht mehr berauben
Und deine Wunden heilen
Weil du uns jeden Moment zeigst,
dass es auch anders geht
Danke das ich auf dir leben darf
Ich deine Ozeane lieben darf
Und jeden Tag die Farben sehen kann
Die nur du im schwarzen um dich rum
Zum leuchten bringst

Danke Welt

Flügelrichtung Meer

Flügelrichtung Meer

Immer zu gen Wasser
Nah ob weit zu zweit
Vor und hinter jedem Deich
Jeder Hafen lockt sie an
Im blauen Oben fliegt
Lauthals die weiße Pracht
Kreischt und schreit
Erzählt von Schiffen
Hohen Wellen und Seemannsgarn
Kreisen, reisen, bleiben niemals still
Treiben langsam wie der Wind es will
Hunderte flügelbreiten weit
Kreisen die Möwen immer
Flügelrichtung Meer

Der bessere Fisch

Der bessere Fisch

Ein kleiner Fisch wetteiferte schon den ganzen Tag mit einem Hai. Jeder behauptete von sich, dass bessere Tier zu sein. Der Hai überzeugt von seiner Größe und Schnelligkeit, der kleine Fisch schwor wiederum auf seine Größe und Wendigkeit. So groß wie ich bin, könnte ich dich in einem Happen verschlingen, zischte der Hai. Sichtlich unbeeindruckt schoss der kleine Fisch wild um den Hai und rief dabei, dazu müsstest du mich erst einmal fangen und ich bin weitaus wendiger und flinker. Bei all den nassen Wettkämpfen verloren beide ihre Heimat aus den Augen und trugen ihre Kämpfe immerzu weiter fort. Doch das Wasser wurde knapper und niedriger und so wurden beide lautlos im Wasser verharrend gegen den Grund gedrückt. Vergaßen sie doch, dass es Ebbe ist. So lag der Hai dem Tode nah, auf dem trockenen Sand und blickte in einen kleinen Rinnsal in welchem sich der Fisch tummelte. Schadenfroh schwamm er im Kreis, sich bewusst das nur seine winzige Größe im dieses Glück bescherte. Bis eine Möwe sich den Leckerbissen schnappte.

Beide starben am Strand und so war niemand der Bessere.

Zusammen statt gegeneinander arbeiten bringt jeden von uns weiter.