Kategorie: Geschichten

Jemand

Jemand

Dieser Text ist nicht für jeden geeignet!

Draußen ist es kalt, in der Wohnung warm. Ich fühle mich einsam. Ich liege in meinem Bett; zwei Uhr dreizehn, starre an die Zimmerdecke – Weiß. Leer. Die Zeit hält mich am Leben. Gedanken kreisen in meinem Kopf, immer in dieselbe Richtung. Ich starre aus dem Fenster, auf die leeren Straßen, ziehen sich durch mein Leben. Leblos fällt mein Körper in sich zusammen. Alle fünf Sekunden, fällt ein Wassertropfen in die Spüle aus Metall. Zwei Minuten verstreichen, vierundzwanzig Wassertropfen fielen, nichts passierte. Monotoner Alltag. Ich stehe auf und bewege mich langsam durch die Wohnung. Jedes Zimmer leer. Auf dem Tisch im Wohnzimmer, steht in der Mitte eine Tasse, der Kaffee darin abgestanden. Warum bin ich einsam, frage ich mich? Ich werde doch geliebt – oder? Ich werde doch von irgendjemandem geliebt – oder? Wer ist dieser jemand der mich liebt? Warum tut mir dieser jemand weh? Ich starre auf die weiße Wand. Ich fühle mich leer, leer und einsam. Wer ist dieser jemand auf dem Foto, das an der Wand hängt? Er ist mir vertraut, ich habe Angst, ich kenne diesen jemand nicht. Die Zeit verstreicht, immer mehr Erinnerungen werden wach, klettern an meinen Gefühlen hoch und stürzen ab. Wieder und wieder, diese Stimmen im Kopf, sie quälen mich, zerdrücken mich, sie fressen mich auf, diese leeren Worte. Jedes Wort eine Lüge, jeder Blick gemalt. Ich sehe diesen jemand. In Gedanken. Ich schreie „jemand“, so laut ich kann. Verzweifelt suche ich zuflucht. Ich lebe, ich liebe Dich, ich vertraue Dir. Du bleibst stumm. Warum tust Du das?

Arbeitsalltag

Arbeitsalltag

Morgens Sieben Uhr. Mein Kopf dröhnt. Berge an Papier warten auf mich. Die Besprechung. Ich höre die einzelnen Tropfen Kaffee in die Glaskanne tropfen. Kopfschmerz. Mein Gegenüber trommelt mit seinem Bleistift ein fröhlich, gelogenes „Guten Morgen“ in meinen Kopf. Ein freundliches Lächeln im Gesicht ziehe ich meines Weges durch den Korridor bis hin zu meinem Büro. Auf dem Weg begegnet mir dann das Grauen unserer Firma. Störrisch, frech und irgendwie mit Eigenleben. Die zerknüllten Kopien neben dem Kopierer türmen sich zu Bergen auf. Und weitere Berge warten auf mich; Berge an Arbeit. Seufzend setze ich den Weg fort zu meinem Büro. Zu meinem Büro das gar nicht meines ist und doch hängt dort ein Foto meiner Tochter. Dort wäre ich auch gerne, bei meiner Tochter in Spanien, am Strand – Urlaub. Stattdessen, dass Urlaubsgeld gestrichen. Ein Blick aus dem Fenster, plötzlich Donner. Drei weitere Akten landen auf meinem Tisch und begraben das Chaos unter sich. Mittagspause. Ich höre es schon… Herr Schmidt wo bleiben meine Akten, Herr Schmidt, Herr Schmidt. Nun bin ich alleine im Büro. Ich höre das rauschen der Neonröhre, das flackern des Bildschirms brennt in meinen Augen, das Radio aus dem Nebenzimmer dudelt vor sich hin. Soll ich wirklich? Gähnend voller Motivation mach ich mich an die Arbeit und schiebe die Akten beiseite. Nicht heute, nicht jetzt und vielleicht auch nicht Morgen. Das abartig, penetrante Telefon will einfach keine Ruhe geben. Ich habe keine Lust Ihre Bestellung entgegen zu nehmen! Guten Tag, Schmidt am Apparat. Nein, nein. Ich schaue auf das Foto meiner Tochter – Spanien. Wiederhören. Meine müden Beine tragen mich in Richtung Küche. Ein Tasse Kaffee, die Milch wie immer leer. Endlich eine Zigarette. Nach all dem Akten hin und her schieben, Hauptsache von mir weg schieben hab ich mir die auch wirklich verdient. Während ich dem Rauch meiner Zigarette hinterher schaue vernimmt mein Ohr schon wieder dieses aufdringlich, penetrante Telefon. Schmidt am Apparat. Aufgelegt. Spanien. Zwei, Zwei, Sieben, Acht, Neun, Elf. Soll ich wirklich? Ich tue es jetzt einfach. Ja ich melde mich krank. Müde falle ich zurück ins Bett, starre an die weiße Decke und träume von Spanien.